Bose verschiebt das Ende des Cloud-Dienstes für seine SoundTouch-Lautsprecher auf den 6. Mai 2026 und versucht, den Einschnitt für Bestandskunden abzufedern. Statt die Geräte zu kastrieren, aktualisiert der Hersteller die SoundTouch-App auf einen Modus mit lokaler Steuerung und veröffentlicht parallel die technische Dokumentation der SoundTouch-Web-API für Entwickler. Streaming über Bluetooth, AirPlay, Spotify Connect und AUX sowie grundlegende App-Funktionen sollen weiterlaufen, neue Firmware- und Sicherheitsupdates sind aber ausgeschlossen. Die Hardware bleibt somit nutzbar, der langfristige Support verlagert sich in Richtung Community.
Ursprünglich wollte Bose die Cloud-Unterstützung für SoundTouch bereits am 18. Februar 2026 beenden. Nach deutlicher Kritik wird der Termin nun auf den 6. Mai 2026 verschoben, wie aus der aktualisierten Support-Seite hervorgeht. Bis dahin sollen die Systeme inklusive Cloud-Funktionen weiterlaufen, parallel rollt Bose ein App-Update aus, das die Lautsprecher auf einen Betrieb ohne Serveranbindung vorbereitet.
Am Stichtag selbst wechselt die SoundTouch-App automatisch in eine Variante, die sich ausschließlich auf lokale Funktionen stützt. Nutzer müssen dafür nichts manuell anstoßen: Wer die App öffnet, erhält die neue Version und kann weiterhin SoundTouch-Geräte im heimischen WLAN einrichten, konfigurieren, fernsteuern und gruppieren. Inhalte wandern allerdings vollständig in die Apps der Musikdienste, die ihrerseits per AirPlay, Bluetooth, Spotify Connect oder AUX auf die Lautsprecher streamen.
Mehrere Komfortfunktionen fallen ersatzlos weg. Dazu gehören insbesondere die Preset-Tasten an Geräten und in der App sowie das Durchsuchen und Starten von Musikdiensten direkt in der SoundTouch-Oberfläche. Bose empfiehlt, gespeicherte Presets vor dem Stichtag zu notieren und als Favoriten in den jeweiligen Musik-Apps nachzubilden. Ab dem 6. Mai lassen sich Presets nicht mehr ändern, einzelne gespeicherte Verknüpfungen könnten laut Hersteller zudem ohne Garantie ausfallen.
Hinzu kommt eine klare Zäsur bei der Sicherheit: Bose stellt nach der Cloud-Abschaltung sämtliche Firmware- und Sicherheitsupdates für SoundTouch ein. Nutzer sollen ihre Geräte vor dem Termin auf den aktuellen Stand bringen und sie danach ausschließlich in einem privaten, abgesicherten Heimnetz betreiben. Parallel kündigt der Hersteller an, Nutzungs- und Interaktionsdaten, die mit SoundTouch-Produkten verknüpft sind, bis Mitte Mai 2026 zu löschen.
Offene SoundTouch-API: Dokumentation statt Blackbox
Um den Einschnitt abzufedern, macht Bose die technische Dokumentation der SoundTouch-Web-API öffentlich zugänglich. Auf der Support-Seite verweist der Hersteller auf ein PDF mit Spezifikationen, Referenzdesigns und Beispielcode, das beschreibt, wie kompatible Anwendungen über HTTP und WebSocket mit SoundTouch-Geräten sprechen können. Ziel ist, dass unabhängige Entwickler eigene Tools und Oberflächen entwickeln, die auch ohne Bose-Cloud auf bestehende Installationen zugreifen.
In den API-Unterlagen definiert Bose unter anderem Endpunkte für Statusabfragen, Lautstärkeregelung, Quellenwahl, Zonenbildung und Wiedergabesteuerung. Gleichzeitig ist die Dokumentation an eigene Nutzungsbedingungen geknüpft, die das Material als SoundTouch-Materialien lizenzieren und den Einsatz etwa auf bestimmte Anwendungsszenarien beschränken. Streng genommen handelt es sich damit eher um offen publizierte Spezifikationen als um ein klassisches Open-Source-Projekt im Sinne etablierter Lizenzen, auch wenn Hersteller und Medien von Open Source sprechen.
Aus Anwendersicht ist vor allem relevant, dass die API nicht erst jetzt entsteht, sondern bislang intern und durch Reverse Engineering bereits genutzt wurde. Integrationen in offene Plattformen wie Home Assistant greifen seit Jahren auf lokale SoundTouch-Schnittstellen zurück, um Lautsprecher zu entdecken, zu gruppieren und zu steuern. Die nun veröffentlichte Dokumentation reduziert die Abhängigkeit von inoffiziellen Bibliotheken und dürfte neue Projekte erleichtern, die etwa verlorene Preset-Funktionen über eigene Oberflächen nachrüsten.
Lokaler Betrieb und Smart-Home-Integration
Technisch gesehen werden SoundTouch-Systeme nach dem 6. Mai 2026 zu reinen Netzwerk-Lautsprechern mit lokaler Steuerung. Laut Bose bleiben grundlegende Funktionen erhalten: Nutzer können weiterhin Musik aus den Apps ihrer Streamingdienste per Bluetooth, Apple AirPlay, Spotify Connect oder analoge beziehungsweise digitale Eingänge auf die Geräte geben. Die aktualisierte App erkennt SoundTouch-Systeme im selben WLAN, erlaubt Basisfunktionen wie Play, Pause, Skip, Lautstärke und die Gruppierung mehrerer Räume und soll als Download vorerst verfügbar bleiben.
Für Smart-Home-Anwender ist entscheidend, dass all diese Funktionen lokal implementiert sind. Integrationen in Systeme wie Home Assistant oder andere Automationsplattformen sprechen bereits heute direkt mit den Lautsprechern im LAN und nicht über die Bose-Cloud. Solange sich IP-Adressen und Authentifizierungsmechanismen nicht grundlegend ändern, sollten vorhandene Setups daher weiterhin arbeiten. Die offizielle API-Dokumentation schafft zusätzlich Klarheit über unterstützte Befehle, Event-Mechanismen und Limitierungen – ein nützlicher Punkt für Langzeitnutzer, die ihre Multiroom-Infrastruktur nicht kurzfristig ersetzen möchten.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die eigene Netzsicherheit. Weil keine Sicherheitsupdates mehr ausgeliefert werden, bleibt der Firmware-Stand der Geräte eingefroren. Betreiber sollten darauf achten, SoundTouch-Lautsprecher ausschließlich in internen Netzen zu betreiben, keine Portfreigaben ins Internet zu setzen und gegebenenfalls VLANs oder separate SSIDs für ältere IoT-Hardware zu nutzen. Solche Maßnahmen können das Risiko kompensieren, dass bekannte Schwachstellen über die Jahre ungepatcht bleiben. Hinweise dazu finden sich zwar nur am Rande in den offiziellen FAQs, sind im Smarthome-Kontext aber zentral.
Eckdaten und Stichtage
- Abschalttermin Bose-Cloud für SoundTouch: 6. Mai 2026, Verlängerung vom ursprünglich geplanten 18. Februar 2026.
- Funktionsumfang nach dem Stichtag: Lokale Steuerung über aktualisierte SoundTouch-App im selben WLAN, Streaming via Bluetooth, AirPlay, Spotify Connect und AUX, inklusive Gruppierung mehrerer Lautsprecher.
- Wegfallende Funktionen: Presets an Geräten und in der App, Browsing und Start von Musikdiensten direkt in der SoundTouch-App sowie alle künftigen Software- und Sicherheitsupdates.
- API-Öffnung: Veröffentlichung der SoundTouch-Web-API-Dokumentation mit Beschreibung von Endpunkten, Datenformaten und Beispielcode für Drittentwickler.
- Datenhaltung: Löschung produktbezogener Nutzungs- und Interaktionsdaten bis spätestens Mitte Mai 2026, SoundTouch-Produkte bleiben vom restlichen My-Bose-Konto entkoppelt.
Relativ vorbildliches EOL – mit klassischem IoT-Risiko
Die SoundTouch-Reihe ist seit über zehn Jahren am Markt; dass Bose die Cloud-Infrastruktur nicht unbegrenzt betreibt, war absehbar. Im Vergleich zu anderen Herstellern fällt das Vorgehen dennoch positiv auf: Die Verlängerung der Frist, eine App, die explizit für den Offline-Betrieb angepasst wird, und die offene API verhindern, dass bestehende Installationen schlagartig unbrauchbar werden. Aus einem reinen Cloud-Produkt wird ein lokal steuerbares Multiroom-System mit Community-Perspektive.
Das ändert nichts daran, dass SoundTouch aus Sicherheits- und Update-Sicht am Ende seines Lebenszyklus steht. Wer maximale Zukunftssicherheit, Matter-Integration oder nachvollziehbare Update-Zusagen erwartet, wird mittelfristig nach Alternativen suchen müssen. Für viele Bestandskunden dürfte der Kompromiss aber akzeptabel sein: Die Hardware bleibt nutzbar, Smart-Home-Anbindungen können weiterlaufen, und mit der dokumentierten API haben Entwickler eine Chance, die Plattform noch einige Jahre sinnvoll am Leben zu halten.
Quellen und weiterführende Infos:
- Bose – SoundTouch Cloud Service Ending / SoundTouch support discontinued (abgerufen am 8. Januar 2026)
https://www.bose.com/soundtouch-end-of-life - Bose (DE) – SoundTouch Cloud-Dienst wird eingestellt / SoundTouch Cloud Service Ending (abgerufen am 8. Januar 2026)
https://www.bose.de/de_de/landing_pages/soundtouch-eol.html - Bose – SoundTouch Web API Documentation (abgerufen am 8. Januar 2026)
https://assets.bosecreative.com/m/496577402d128874/original/SoundTouch-Web-API.pdf - The Verge – Bose is open-sourcing its old smart speakers instead of bricking them (abgerufen am 8. Januar 2026)
https://www.theverge.com/news/858501/bose-soundtouch-smart-speakers-open-source - Ars Technica – Bose open-sources its SoundTouch home theater smart speakers ahead of end-of-life (abgerufen am 8. Januar 2026)
https://arstechnica.com/gadgets/2026/01/bose-open-sources-its-soundtouch-home-theater-smart-speakers-ahead-of-eol/ - heise online – Bose hofft nach SoundTouch-Abschaltung auf Open-Source-Community (abgerufen am 8. Januar 2026)
https://www.heise.de/news/Bose-Lautsprecher-SoundTouch-Abschaltung-entschaerft-und-verschoben-11134096.html



